Alltag / 8. August 2025

Schlafen mit zu­ge­kleb­ten Mund

Nachts ist für viele die Zeit der Erholung – für mich ist sie manchmal eher eine kleine Herausforderung. Durch meine hohe Querschnittslähmung fehlt mir die Atemhilfsmuskulatur. Das bedeutet: tief durchatmen ist für mich nicht einfach. Mein Lungenvolumen ist begrenzt, und meine Atmung in der Nacht reicht oft nicht aus, um meinen Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Dazu kommt: ich habe Schlafapnoe. Mein Körper vergisst also zusätzlich noch regelmäßig zu atmen. Jackpot, oder?

Deshalb nutze ich nachts ein Beatmungsgerät, das mir über eine Nasenmaske Luft „hineinpresst“. Das klingt erstmal gut – und ist es auch – denn dadurch bleibt meine Sauerstoffsättigung stabiler und ich kann insgesamt besser schlafen.

Doch es gibt ein Problem: Die Luft kommt zwar durch die Nase rein, geht aber durch meinen Mund wieder raus. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was eigentlich passieren soll.

Natürlich gibt es dafür Kinnbänder, die verhindern sollen, dass sich der Mund im Schlaf öffnet. Ich habe mehrere davon getestet – von weich bis straff, von günstig bis teuer – und alle hatten eines gemeinsam: sie haben nicht funktioniert. Mein Mund bleibt vielleicht optisch geschlossen, aber meine Lippen haben durch die fehlende Muskelspannung keine richtige Dichtkraft. Die Luft zischt also trotzdem wieder raus – und damit ist der Effekt der Beatmung fast dahin.

Meine Lösung? Sieht bisschen sadistisch aus ha ha.

Ich klebe mir jetzt einfach abends ein Stück Klebeband über die Lippen. Klingt verrückt? Dachte ich anfangs auch. Aber: es funktioniert! Endlich bleibt die Luft dort, wo sie hingehört – und ich wache morgens mit einem deutlich besseren Gefühl auf. Meine Sättigung ist stabiler, mein Kopf klarer, mein Schlaf ruhiger.

Ich weiß, das klingt total improvisiert – ist es auch – aber genau das ist oft der Alltag mit Behinderung: Man probiert aus, scheitert, flucht leise, und findet dann einen Trick, der für einen selbst funktioniert.

Es geht mir Mega auf die Nerven, wenn das Klebeband nachts abgeht und dann in meinem Mund hängt, aber egal, es hilft mir zu schlafen.

Falls jemand von euch ähnliche Probleme hat oder vielleicht sogar eine bessere Lösung kennt – schreibt mir gern! Ich bin offen für alles, was hilft.

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